In der Psychologie und der Neurowissenschaft bezeichnet die exekutive Dysfunktion eine Störung der exekutiven Funktionen,[1] also höherer Gehirnfunktionen wie Handlungsplanung, Impulskontrolle und Selbstregulation. Es handelt sich um ein zentrales Merkmal von ADHS und Autismus.[2] Extreme exekutive Dysfunktion ist das Leitsymptom des dysexekutiven Syndroms.
Beschreibung
BearbeitenBetroffene haben Schwierigkeiten, Aufgaben zu strukturieren, Prioritäten zu setzen oder ihre Emotionen zu regulieren. Sie können zu Prokrastination neigen und fühlen sich bei der Organisation von Alltagsaufgaben häufig überfordert. Diese Störung der exekutiven Funktionen tritt oft bei ADHS, Autismus oder neurodegenerativen Erkrankungen auf.
Exekutive Kontrolle ist für effektives Verhalten notwendig, indem sie das Verhalten so anpasst, dass Veränderungen in der Umgebung mit den eigenen Zielen vereinbart werden.[3] Beeinträchtigungen der kognitiven Flexibilität ist ein weiteres Merkmal der exekutiven Dysfunktion. Kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit, bei sich verändernden Zielen und Umweltreizen den Aufmerksamkeitsfokus entsprechend zu verändern.[4]
Exekutive Dysfunktion ist häufig verantwortlich für chronisch impulsives, hyperaktives, desorganisiertes und aggressives Verhalten. Eine Studie aus dem Jahr 2011 belegt, dass diese Störung mit einem Mangel an Selbstbeherrschung, höherer Impulsivität und Desorganisation einhergeht, was zu aggressivem Verhalten beitragen kann.[5]
Andere, eher seltene Symptome der exekutiven Dysfunktion sind das sogenannte „utilization behaviour“ – die zwanghafte Manipulation oder Nutzung von Objekten in der nahen Umgebung ohne funktionalen Grund – sowie das Imitationsverhalten – die Tendenz, primär durch Nachahmung sozial zu interagieren.[6]
Es gibt einige Anhaltspunkte dafür, dass exekutive Dysfunktion neben den negativen Auswirkungen auch positive Aspekte haben kann. Abaham et al.[7] zeigten, dass kreatives Denken bei Schizophrenie durch exekutive Dysfunktion begünstigt wird.
Einzelnachweise
Bearbeiten- ↑ Elliott R: Executive functions and their disorders. In: British Medical Bulletin. 65. Jahrgang, Nr. 1, März 2003, S. 49–59, doi:10.1093/bmb/65.1.49, PMID 12697616 (englisch).
- ↑ ADHS bei Erwachsenen – ein Leben in Extremen. Ein Praxisbuch für Therapeuten und Betroffene. 3., erweiterte und überarbeitete Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-17-044141-5, S. 154.
- ↑ Verbruggen F, Logan GD: Long-term aftereffects of response inhibition: memory retrieval, task goals, and cognitive control. In: Journal of Experimental Psychology. Human Perception and Performance. Band 34, Nr. 5, Oktober 2008, S. 1229–1235, doi:10.1037/0096-1523.34.5.1229, PMID 18823207 (englisch).
- ↑ Avila C, Barrós A, Ortet G, Antònia Parcet M, Ibañez MI: Set-shifting and sensitivity to reward: A possible dopamine mechanism for explaining disinhibitory disorders. In: Cognition & Emotion. Band 17, Nr. 6, November 2003, S. 951–959, doi:10.1080/02699930341000031 (englisch).
- ↑ Krämer UM, Kopyciok RP, Richter S, Rodriguez-Fornells A, Münte TF: The role of executive functions in the control of aggressive behavior. In: Frontiers in Psychology. Band 2, Nr. 152, 2011, doi:10.3389/fpsyg.2011.00152, PMID 21747775, PMC 3130185 (freier Volltext) – (englisch).
- ↑ Hoffmann MW, Bill PL: The environmental dependency syndrome, imitation behaviour and utilisation behaviour as presenting symptoms of bilateral frontal lobe infarction due to moyamoya disease. In: South African Medical Journal. Band 81, Nr. 5, März 1992, S. 271–273, PMID 1542821 (englisch).
- ↑ A. Abraham, S. Windmann, P. McKenna, O. Güntürkün: Creative thinking in schizophrenia: the role of executive dysfunction and symptom severity. In: Cognitive Neuropsychiatry. Band 12, Nr. 3, Mai 2007, S. 235–258, doi:10.1080/13546800601046714, PMID 17453904 (englisch).